Pressemitteilung des Bundesverbandes                                                                                                                                          Berlin den 01.02.2021

In einem aktuellen Interview kritisiert Vizekanzler Olaf Scholz Pflegeeinrichtungen für ihren Umgang mit den Pandemiefolgen. Er wirft ihnen unter anderem vor, trotz vermeintlich ausreichender Unterstützung der Bundesregierung zu lange keine Teststrategien umgesetzt zu haben. Die Arbeiterwohlfahrt weist die Vorwürfe entschieden zurück. Derartige Aussagen seien „ein Schlag in das Gesicht eines Berufsfeldes an der Grenze zum Zusammenbruch“. Die Kritik richte sich an die falschen Adressaten, so der Verband. Sie sei eher an den Gesundheitsminister zu richten.

„Seit Jahren warnt die freie Wohlfahrtspflege vor dem Fachkräftemangel, der geringen Wertschätzung und der unangemessenen Entlohnung in der Pflege“, so Jens M. Schubert, Vorstandsvorsitzender des AWO Bundesverbandes, „Die Situation war vielerorts schon vor der Pandemie angespannt. Dennoch haben die Mitarbeitenden in den Einrichtungen oft genug an den Grenzen des Machbaren weiter ihr Bestes gegeben, um die ihnen anvertrauten Menschen zu schützen und zu versorgen. Seit Anfang letzten Jahres weisen die Wohlfahrtsverbände darauf hin, dass uns nur Klatschen allein nicht durch diese schwierige Zeit bringen wird und dass es unter anderem einer soliden Finanzierung der Mehrausgaben und qualifizierten Personals bedarf, um eine Teststrategie tatsächlich umsetzen zu können. Die entsprechenden Maßnahmen der Bundesregierung kamen zu spät oder missachteten schlicht die angespannten Bedingungen vor Ort. Den Einrichtungen jetzt die Schuld in die Schuhe zu schieben, statt sich der eigenen politischen Verantwortung zu stellen, ist ein Schlag in das Gesicht eines Berufsfeldes an der Grenze zum Zusammenbruch.“

Der Präsident der Arbeiterwohlfahrt, Wilhelm Schmidt, ergänzt: „Ich lade hiermit den Vizekanzler ein, sich in unseren Einrichtungen vor Ort selbst ein Bild von der Situation zu machen und mit den Menschen zu sprechen, die seit einem Jahr über die Maßen engagiert arbeiten, um die Folgen der Pandemie für die Menschen in ihrer Verantwortung bestmöglich abzufedern.“

 

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Die Arbeiterwohlfahrt gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege und wird bundesweit von über 312.000 Mitgliedern, mehr als 82.000 ehrenamtlich engagierten Helferinnen und Helfern sowie rund 237.000 hauptamtlichen Mitarbeiter*innen getragen.

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